Das Tagebuch

28.1.20
Ten years after-Prosa
Am 10. Jahrestag der Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat gestern der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz eine Zwischenbilanz über die bisherige ver­bandsinterne phantastische Aufarbeitung gezogen und dazu eine Erklärung ver­öffentlicht.
Tja, was soll man jetzt dazu nur sagen?
Vielleicht – v.a. im Namen der Betroffenen – noch zwei Sätze,
und dann is auch gut gewesen:
Das war jetzt das I-Tüpfelchen, welches noch fehlte.
Und:
Der Teufel soll euch holen! (Schade nur, das es ihn nicht gibt.)
27.1.20
Vor 75 Jahren
Befreiung des KZ von Auschwitz/Birkenau durch die sowjetische Armee
26.1.20
Gespräch mit dem künftigen Erzengel der Deutschen Bank
Aus dem Interview mit Siggi Pop in derselben 'BamS'-Nummer:
„Herr Gabriel, warum wollen Sie Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank werden?“
„Na, zunächst einmal, weil mich die Deutsche Bank gefragt hat. Und dann, weil es eine spannende Aufgabe ist. Die Deutsche Bank ist für die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land enorm wichtig. Dazu kommt der große Umbruch weg vom hochriskanten Handelsgeschäft wieder hin zum soliden, fast schon langweiligen Bankgeschäft. Die Deutsche Bank will wieder Ausdruck von Solidität werden und dabei gleichzeitig ihre globale Aufstellung behalten. Diese Strategie ist si­cher erfolgversprechender, als ganz oben in der Welt bei den Invest­mentbanken mitspielen zu wollen und so enorme Risiken für die Angestellten, Kunden und unsere Volkswirtschaft zu produzieren.“
Usw.usf.
Dem Siggi nun zu attestieren, er sei ja dümmer noch als Brot und hätte noch nie was von der SPD-immanenten Funktion als Weih­nachts- bzw. Sandmännchen für die Tante Bank gehört, hieße, den mit allen Weihwassern gewaschenen Erzengel schwer zu unter­schätzen. Mit andern Worten: Der Siggi weiß um den Beschiss.
Mit andern Worten: Er will den Beschiss.
Mit andern Worten: Siggi, der Sozialdemokrat.

P.s.:
Auf dass das Wort in Erfüllung gehen sollte, welches Papst Paul IV. am Beginn der neuen Zeit seiner Kirche mit auf den Weg gab und das dort geschrieben stand:
„Mundus vult decipi; ergo decipiatur.“
Auf gut deutsch:
„Die Welt will beschissen werden; also bescheißen wir sie.“
25.1.20
Von der Lippe zur Schamlippe
Jott vdL, Jürgen von der Lippe, der Proffi unter den In-sich-hinein-Kicherern, der Fips Asmussen für die Mittlere Reife, der weltweit singuläre Unfall eines labernden Haweii-Hemds, der … noch einen? Okay, noch einen: der schimmelige Pimmelwitz von vorgestern, der … jetzt bin ich in Fahrt: Prof. Dr. Dr. Schwanz-Hodensack humoris causa, Weltmeister in Sachen „Rein,rum, raus, fertig ist der Klaus“- Narrativ aus der Steinzeit, der genitalste Knallbonbonverkäufer vom WDR, mithin einer der ganz Großen der deutschen Fernsehunter­haltung im Interview mit der geistig nicht minderen BILD am Sonntag über 'Me too' und 'die neue Prüderie':
„Es traut sich ja keiner mehr, 'ne Frau anzugraben!“
Also, wenn man sich auf 'You tube' mal für'n Moment seine Alt­herrenwitz-Veranstaltungen antut, hat man nicht unbedingt den Eindruck, dass sein Beuteschema von der Masse her irgendwie geringer geworden wär'.
Und dann hat er noch gesagt:
„Wenn das mit 'Me too' so weitergeht, werden die Deutschen noch aussterben.“
Okay, das kann natürlich sein – wenn sich Nachwuchs erst dann einstellt, wenn die Dame dazu erst vergewaltigt werden muss, du großer Fernsehunterhalter.
24.1.20
Von Katzen und Mäusen
Nach dem Willen der Deutschen Bank soll Sigmar Gabriel Mitglied in ihrem Aufsichtsrat werden, um ihr als einer der Kontrolleure ihrer Tä­tigkeiten zu dienen. In internationalen Expertenkreisen des unterirdi­schen Finanzgaunertums gilt der gläubige Erzengel Siggi-Pop Ga­briel als optimaler Schachzug. Denn dem doch eher säkularen und charakterlosen Betrieb würde ein wenig sozialdemokratische Reli­giösität gut zu Gesichte stehen. Und als gelernter Blowjobber gehört er nun mal zu den ersten und besten, die diese Partei anzubieten hätte. Außerdem kann man das alles – glaub' ich auch - bequem auch von Zuhause aus erledigen.
23.1.20
Guten Tag, Peter Wohlleben!
Nach ich-weiß-nicht-wieviel Millionen Exemplaren von Ihren ausge­plauderten Baumgeheimnissen müssen wir uns ab heute also auch noch ihren Waldmovie reinpfeifen? Is das Ihr Ernst? Wohin man oder auch wegguckt, Wohlleben is everywhere! Mein Gott, und ich hatte gedacht, der Kelch würde an mir vorübergehen …
Okay. Wir machen's aber kurz und schmerzlos, ja?
Finden Sie nicht auch, dass Sie in letzter Zeit ein wenig übergewich­tig geworden sind? Zuviel Wohlleben ist nicht gut. So was kann auch flotti nach hinten losgehen, lieber Wohlleben! In dem Sinne nämlich, Master Wohlleben, dass die Leute Ihrer und Ihrer Waldschraterei ganz simply und ratzfatz und unwiderruflich vollkommen überdrüssig werden! Überdrüssig, verstehense, lieber Wohlleben? Dass die also von Ihrem unaufhör­lichen Geraune und Gerunzel, wie toll und liebe­voll es unter den lieben Bäumen in Ihrem Märchenwald so zugönge, so fürsorglich, so karitativ, ja, so menschelich, die Nase voll haben! So was geht heutzutage schneller, als Ihr Vorstellungsvermögen es Ihnen erlaubt! Ja, ja.
Gut, Hitler und diese Nazis alle, was die mit dem schönen Wald ge­macht haben, war natürlich oberschlimm, ach was red ich: megaoberschlimm. Aber Sie sind auch … schlimm.
Schönen Tach noch.
22.1.20
Der Stadtanzeiger geht ans Eingemachte
Überschrift des letzten Artikels im Politikteil:
„Eine Milliardärin gerät in Erklärungsnot -
Isabel dos Santos, die reichste Frau Afrikas, hat ihr Vermögen wohl durch illegale Tricks erworben“
So, so. Is ja interessant. Demnach ist es also normalerweise im Re­gelfall üblicherseits und traditionell so, dass der normale Milliardär, und sei er auch der reichste Milliardär von sonstwat, sich seine Moneten beispielhaft immer nur mit ehrlicher Arbeit zusammen äh.. verdient, und nicht - wie die Gerüchte- und Verleumdungsküche zu verbreiten pflegt – im Schlafe respektive mit Diebstahl, Raub, Erpressung, Mord oder ähnlich illegalen Tricks (Sie können sich was aussuchen).
Werter Stadtanzeiger,
für wie blöde halten Sie uns eigentlich?
P.s.:
Ganz nebenbei abgesehen davon, dass ich mich irgendwie nicht erinnern kann, jemals im Stadtanzeiger gelesen zu haben, dass in so einem spektakulären Einzelfall ein weisser Mann die Titelrolle inne hatte. Das muss dann schon erstens eine Frau, zweitens eine schwarze und drittens die Brut eines Kommunisten sein.
Werter Stadtanzeiger,
für wie blöd …
ach, hatt 'ich ja schon gefragt.
20.1.20
Megxit oder wie dat heißt
(Fragen eines lesenden Rentners)
Dass dieser Prinz das Königsbrimborium mit dem ganzen Brim­borium und allem Drum und Dran und seiner Herzogin wohl ver­lassen hat oder musste oder wollte oder weißderteufelwat ...

Ach, ach, ach,
ich weiß ja gar nicht:
Ist das alles jetzt hier ganz
von irgendeiner Relevanz,
muss man das mitgekriegt haben,
gilt man sonst als dumm

hat das irgend'ne Bedeutung,
geht das irgendwen was an,
hängt da irgendwas von ab,
steigen deshalb überall die Preise,
schmelzen aus dem Grund die Gletscher,
gibt’s deswegen auch noch Krieg

und ist auch irgendwann mal Ende
Gelände

und sowieso:
wieso, weshalb, warum,
wie, wo, wann und weswegen,
woher, wohin,
wofür, wozu,
womit, wodurch
wobei und wogegen,
woran, worin,
worauf, worunter
worein, woraus,
wovon und wie runter

und überhaupt
für was und für wen

und gesetzt den Fall,
es würd' die Firma gar nicht geben,
würd' se irgendwem denn fehlen?
Oder noch mal langsam
und von vorn:
Besitzt der Laden denn da drin
auch so etwas wie einen Sinn?

Nee, ne?
Ach so,
ja dann ...
So viele Berichte
so viele Fragen
19.1.20
Omm, Omm, Omm …
Da soll noch einer sagen: „Beten nützt nix!“ Kaum hat die „Woche des Gebetes“ begonnen – vom 18. bis einschließlich Samstag, den 25., gilt aber nur für Christen – da kommt auch schon dpa mit der Meldung umme Ecke:
„Missbrauchsstudie der katholischen Kirche bleibt ohne Folgen“, „Alle Verfahren eingestellt“ et cetera ex cathedra.
Und damit wäre dann auch, weil das immer so läuft, die heiße Frage beantwortet, wessen Gebete denn normalerweise immer so erhört werden. Und stante pede staunt der Laie, und der Pfaffe freut sich. Doch der neunmalkluge unter den Gläubigen ruft in die Gemeinde­runde:
„Moment, Moment! Einen Augenblick mal, bitte schön! Die Woche des Gebets is noch NICHT vorbei!“
Und so wird’s wohl weitergehen bis zum St. Nimmerleinstage! Aba dann is wat los hier, ihr Brüder und Schwestern! Das kann ich euch flüstern!
Und wenn ihr fragetet, woher ich das wüsste, so sagte ich euch, liebe Brüder und Schwestern:
„Fürchtet euch nicht! Sondern lest die neue frohe Botschaft, das 5. Evangelium: „Das Evangelium des Fliegenden Spaghetttimonsters“ vom heiligsten Apustulus Bobby Henderson! Gehet hin in alle Welt und leset darin! Und Amen. Dann is aba endlich Ruhe im Karton!"
(Das war jetzt mein Buchtipp der Woche.)