Das Tagebuch

15.12.24
Das Wort zum Sonntag
„Zwischen Merz und Lindner passt kein Blatt Papier.“ Jedenfalls nicht so’n Praktikanten-Papierchen. Da sind sich die beiden realpolitischen Komiker ziem­lich einig. Anders verhält es sich mit dem berühmten FJStrauss-Satz:
„Es ist mir egal, wer unter mir Kanzler wird.“
14.12.24
Dritter Advent:
Was uns so erwartet
Was uns blüht, wenn in Bälde das Christkindelein kommt, haben Merz und Söder basta-mäßig jetzt schon mal - weil sie es einfach nicht abwarten können (siehe auch: „Wir warten aufs Christkind“) - auf einen Spuckzettel geschmiert und als provisorisches Wahl­programm mit den zwei unverhandelbaren, alternativlosen, essen­tiellen, ja, heiligen Grund­sätzen an alle Parlamentstüren gehämmert. Die zwei wichtigsten Anliegen, wonach sich der ganze Rest zu richten hat, sind demnach 1. „Steuerentlastungen für Gutverdienende (Wer hätte das gedacht!) und 2. eine verschärfte Migrationspolitik“. Konkret heißt das: Nun, wer die „Gutverdienenden sind, weiß man ja, die kennt man ja, und die ver­schärfte Migrationspolitik wird folgender­maßen aussehen:
In allen Bundesländern soll die „Bezahlkarte für Asylbewerber flä­chendeckend und restriktiv“ eingeführt werden. „Für Ausreise­pflichtige werden sich die Sozialleistungen an dem Grundsatz 'Bett, Brot und Seife' orientieren und sehen, wo immer möglich, einen gänzlichen Leistungsausschluss vor.“ Grenzkontrollen werden mit Zurückwei­sungen verbunden.
Zugleich investieren ­wir, so die beiden rechtsradikalen Erbförster, in modernste Grenzsicherungstechnik wie etwa in Robocops, männl. Drohnen, Nachtsicht- und KI-gestützte Wärmebildkameras von der Firma Rheinmetall & Hastenichgesehn.
Was die ehemaligen, ausrangierten Selbstschussanlagen aus der Ostzonenzeit angeht,(wir haben selbstverständlich kontrolliert, ob's die auch überhaupt noch tun) sind die Rückkaufverträge bereits in trockenen Tüchern. Für den Fall potentieller Engpässe bei der lü­ckenlosen Be­stückung durch robuste Grenzsicherungsbeamte ist man im intensi­ven Gespräch mit führenden Fachkollegen befreun­deter Diktaturen und was die bilateralen Beziehungen zum Vatikan betrifft, ist ein Kondensat äh Konkordat, zeitnah abgesegnet mit einem feierlichen Hochamt inkl. öffentlicher Privataudienz ebenfalls so sicher wie das Amen in der Kirche. Auf Kinder, die heimlich über die grüne Grenze wollen, kann geschossen werden.
So weit unsere Christdemokratur.
Die ganz große Frage aber bleibt: Wie will da ein Langweiler wie Olaf Scholz gegen anstinken?
13.12.24
Wie ein Furz im Wind
Dass der Vogel nicht mehr alle Nadeln anner Tanne hat, war mir immer schon klar. Allein diese dämlichen, affigen, sinnlosen, bunten Brillen immer. Sir Elton John, ein Arschloch in Kitsch-Klamotten. Getreu seinem Selbstbild als farbenfröhlicher Hauptstraßenheiopei hat er der ‚Frau im Spiegel‘oder wem offenbart, dass „die Legalisie­rung von Cannabis einer der größten Fehler aller Zeiten ist.“
Ja, is klar. Und wer sich die Anti-Kiffer-Litanei von Sir Heiopei erspa­ren möchte, kann das Gespräch jederzeit friedlich abkürzen mit der Schluss­formel:
„Jaja, stimmt schon. Vom Rauchen kann man Lungenkrebs kriegen. Aber vom Scheißeerzählen in jedem Fall Arschkrebs.“
12.12.24
Fehlanzeige
Heute war den ganzen langen Tag für mich nix Verwertbares dabei.
Aber morgen ist ja Freitag, der 13. Ma gucken, was dann so los ist.
11.12.24
Inch'allah, eine Million!
Baschar al Assad hatte es grade noch so eben geschafft, mit Sack und Pack bei seinem großen Gangsterfreund Putin unterzutauchen, bevor ihm die lieben Muslimbrüder in einem Akt ausgleichender Gerechtigkeit einen wohlverdienten Kopf kürzer machen konnten. Aber schon heute, 3 Tage nach dieser Art von Regierungswechsel, der für die Gegend da seit Ewigkeiten der Normalfall zu sein scheint, bei dem auch nie ganz klar ist, um wieviel übler die neuen Herrscher belieben zu herrschen, da ist Friedrich der große Merz&Kanzlerkan­didat mal flotti vorgeprescht und über die deutsche Brandmauer ge­sprungen. Dann hat er sich scham- und kostenlos beim Programm der Jungen doit­schen Al­ternativen bedient und sich deren vielver­spre­chendes und beim Volke so beliebtes Remigrationsprojekt
für die CDU untern Nagel gerissen.
Eine Million!
Eine Million Syrer!
Eine Million syrische Flüchtlinge.
Eine Million. Allein hier in diesem Land.
Eine Million - ein Geschenk des Himmels?
Für wen?
Eine Million Syrer auf einen Schlag nach Hause zu schicken!
Eine Million zurück in ein Land, das sie nicht wiedererkennen.
Eine Million, die ab heute hier nichts mehr zu suchen haben,
weil sie hier auch vorher nichts verloren hatten.
Außer ihrer Arbeitskraft, von der wir aber ganz gut leben konnten.
Da dürfte ein Merz auf seine alten Tage noch aus vollem Halse,
aber fröhlich „Allahu-akbar“ intonieren.
Da kommt doch Freude auf.
„Empathie is was fürn ... Papst.
Für alles andere ist der Kanzler zuständig.“
Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat. Im Zweifelsfall aber
war ich das.
Shalom...
10.12.24
Wir werden ihn nicht los
In meinen Alpträumen blieb er schon als ewiger Quälgeist präsent und machte partout keine Anstalten, die politische Lügenbühne zu verlassen. Seine aktuelle Nummer:
„Bei einem Event der Friedrich-Naumann-Stiftung,“ so der ‚Spiegel‘ süffisant „spielte der FDP-Chef das parteieigene »D-Day«-Paper als ‚Praktikanten-Papierchen‘ herunter.“
Und genau so einer soll dieser autokratische Schmierlappentypus auch sein: Einer unterge­ordneten Knallcharge den Geheimauftrag (flüsterflüster) zuschanzen, ein Paper von bestimmt welthistorischer Bedeutung zu verfassen und die Bombe dann zum richtigen Zeit­punkt hoch gehen zu lassen. Aber die beauftragte Knallcharge war entweder tatsächlich ne Knallcharge und das Umsturzpamphlet nicht sein Papier wert und der Autor ein daher gelaufener Azubi oder aber ... oderaber 's war der große Meister Strippenzieher hochpersönlich. Wovon ich ausgehe.
Man kann nur hoffen, dass die Wähler bei nächster Gelegenheit die­sem Politstrizzi endlich den finalen Strich durch die Rechnungen machen. Doch leider – und das lehrt auch die Erfahrung – darf man sich auf die Wähler nicht so doll verlassen. Das einzige, worauf bei denen Verlass ist, ist das schlechte Gedächtnis.
9.12.24
Rien ne va plus
Nachdem eine mir unbekannte (aber das muss nichts heißen) isla­mistische Unterabteilung des ‚Islamischen Staates‘ innerhalb von 2 Wochen den syrischen Diktator & Massenmörder Baschar al Assad zum Teufel nach Moskau gejagt hat, könnten die Karten wieder neu gemischt werden - und diesmal unter der Oberaufsicht der lieben Muslimbrüder.
Hier könnt ich schon Schluss machen. Aber ich mach ma weiter.
Laut ‚Kölner Stadtanzeiger‘ leben in „Syrien neben der sunnitischen Mehrheit auch Schiiten, Alawiten, Drusen und Jesiden.“ Das Land sei „von religiöser Vielfalt geprägt.“
Na, das kann man wohl sagen. Zumal das auch noch die Heimat von diversen Christen ist, die sich und die andern alle auf den Tod nicht ausstehen können. Die Kurden haben jeweils ne eigene kurdische Ersatzreligion, die kurdische Ersatzreligion. Nur Juden spielen da logischerweise keine große Rolle mehr.
Man darf also gespannt sein, welche moderne Gesellschaftsstruktur die neuen Machthaber im Sinne haben, das Land wieder zu mittel­alterlichem Wohlstand, Frieden und Freiheit zu führen.
8.12.24
"Der Täuscher"
Im sich gnadenlos hinziehenden Endstadium der Ampel-Koalition bzw während der clandestinen Vorbereitung zum Sturz derselben – so hatte es ein feiner Whistleblower der Presse durchgestochen – kotzte ein außer-sich oder besser: zu-sich gekommener Lindner in die stickige, verbrauchte Hinterzimmerluft:
„Ich kann all diese Fressen nicht mehr sehn!“
Und jetzt, wo die liberal-neolibidinöse Machtergreifung nicht so ganz nach Plan gelaufen ist, der Stoßseufzer der bedrängten Natur – ich wiederhole: „Ich kann all diese Fressen nicht mehr sehn!“ – zur all­seits anerkannten Grundstimmung in der Bevölkerung geworden ist, geht der ‚Spiegel‘ hin und setzt auf seine Titelseite ausgerechnet die Visage, die uns das alles eingebrockt hat.
Das ist nicht sehr nett von Ihnen, werter Spiegel. Ich hätte da einen Vorschlag in der Rückhand, den ich seit „Urgestein“-Zeiten bei jeder passenden Gelegenheit – also immer- parat habe: Reduzieren Sie doch einfach mal Ihre FDP-Berichterstattung für einen Monat Rich­tung Null. Einfach gar nix mehr zur FDP. Einen Monat lang. Nixda, nada, null. Das ist zwar, wenn Sie so wollen, demokratie-theoretisch und politisch nicht ganz korrekt, aber ischschwöre das merkt doch keiner. Die Leute haben nach 2 Wochen die Äfffeddddddepeeeh, diesen Furunkel am Arsch der Demokratie längst vergessen. Und schlimmer als mit der Äffdee­pee kann's ja nicht werden.
P.s.:
Wer jetzt nicht meiner Meinung ist, der kann doch froh sein. Wir haben hier noch Meinungsfreiheit.
7.12.24
Lumumba, zwo, drei, vier
Es ist richtig, die Stirne zu runzeln, wenn jemand sagt „Bis zur Ver­gasung“, und zu entgegnen „So was sagt man nicht!“
Es ist auch richtig, jemanden darauf aufmerksam zu machen, dass ein Ausdruck wie „Internationales Hottentottentum“ zweierlei ist: rassistisch und antisemitisch.
Und ebenso ist es richtig, Zahlenkombinationen wie „88“ und „18“ zu verbieten, wenn sie als faschistische Insidercodes benutzt werden.
Ob allerdings Verbote und Hinweise dieser Art irgendetwas bewirken oder gar nützen oder ob in China n Sack Reis umfällt ... wer­den wohl erst spätere Geschichtsschreibergenerationen rausklamü­sern können.
Wenn aber von antirassistischen Gruppen, die für voll genommen werden möchten, bei einem alkoholischen Mischgetränk wie Kakao mit Schuss alias „Lumumba“ eine Namensänderung gefordert wird, geht der Schuss wohl eher nach hinten los. Denn Lumumba war sein Leben lang ein Kämpfer gegen den Kolonialismus, der verehrte Na­tionalheld vom Kongo und wurde in einer konzertierten Aktion west­licher Geheimdienste erschossen. Also alles in allem eher ein Grund, aus nem Glas Kakao mit Schuss einen Lumumba zu machen, ein kongolesisches Nationalgetränk.
Ich dagegen finde außerdem: Wenn jemand freiwillig irgendeinen Weihnachtsmarkt aufsucht und dort das Bedürfnis verspürt, sich einen oder mehrere Lumumbas hinter die Binde zu kippen, muss er allein damit fertig werden, und braucht keine staatliche Fürsorgerei. Und erst recht keine Wort-Polizei. Denn solchen Leuten solche Zusammenhänge begreiflich zu machen oder in China fällt n Sack Reis um … aber das hatt ich, glaub ich, schon mal gesagt.