Das Tagebuch

24.12.18
„Heilig Abend“
Zur Feier des Tages, Brüder & Schwestern, ein herzallerliebstes Gedicht von Robert Gernhardt. Aber dann is' auch gut gewesen. Here we go:


Die Geburt

Als aber in der finstren Nacht
die junge Frau das Kind zur Welt gebracht,
da haben das nur zwei Tiere gesehn,
die taten grad um die Krippen stehn.

Es waren ein Ochs und ein Eselein,
die dauerte das Kindlein so klein,
das da lag ganz ohne Schutz und Haar
zwischen dem frierenden Elternpaar.

Da sprach der Ochs: "Ich geb dir mein Horn.
So bist du wenigstens sicher vorn."
Da sprach der Esel: "Nimm meinen Schwanz,
auf daß du dich hinten wehren kannst."

Da dankte die junge Frau, und das Kind
empfing Hörner vorn und ein Schwänzchen hint.
Und ein Hund hat es in den Schlaf gebellt.
So kam der Teufel auf die Welt.

(Robert Gernhardt)
23.12.18
Morgen, Kinners ...
… kriegt ihr was geschenkt!
Macht euch auf was gefasst!
22.12.18
Zweimal werden wir noch wach …
Dann wird’s aber was geben!
21.12.18
Aaaaaaahhh!
Jaaaaaaahhh!
Ooooooohhh!
„Internationaler Tag des Orgasmus“
20.12.18
Ich reiher sie mal der Reihe nach …
… so wie sie Google mir heute wie die Läuse über die Leber bis kurz vor Ladenschluss hat laufen lassen:
Merkel, Merz und Deutsche Bahn, Weihnachtskarte, Kanzleramt und AfD, Grüne, Baerbock, Groko, Habeck, Guttenberg und Söder, Seehofer und Scheuer …
Irgendwann war mir dermaßen schlecht ... da bin die neue NEIL YOUNG -Platte kaufen gegangen: „Songs for Judy“.
Danach war mir, als wär die Welt wieder in Ordnung gewesen ...
19.12.18
Die Deutsche Bahn übt sich in Selbstkritik
Dpa meldet:
„Bahn schafft 'Schönes-Wochenende-Ticket' ab“
18.12.18
Was wird jetzt aus Merz?
Es wird heuer allerorten lang&breit die bange Frage berätselt:
„Was wird jetzt aus Merz?“
Warf man am gestrigen Tage auch nur einen flüchtigen Blick in die Online-Welt, so musste man fürwahr annehmen, ganz Deutschland triebe nur noch eine Frage um – die Frage:
„Was wird jetzt aus Merz?“
Und in der Tat, verließ man gestern seine Wohnung, sein Heim, sein Bettgestell, den Ohrensessel oder auch den Arbeitsplatz, ging ein paar Schritte um den Block, in die Welt hinaus, da lag sie da überall wie, ja, wie Blei quecksilbrig in der Luft und selbst im Bekannten- und Freundeskreis ... (Ich könnte jetzt dieserart seitenlang fortfahren, breche aber das feuilletonistische Gequatsche an dieser Stelle ab) ... nahm sie breiten, großen bis über­großen Raum ein - die alle zutiefst bedrängende Frage:
„Was wird jetzt aus Merz?“
Du konntest gestern machen, was du wolltest – du kamst einfach nicht um sie herum, um die Frage:
„Was wird jetzt aus Merz?“
Tja, und?
Was wird jetzt aus Merz?
Was … wird … jetzt … aus Merz?
Hm.
Nun, was mich betrifft – hinsichtlich der Frage „Was wird jetzt aus Merz?“:
Für mich ist das, wie man so sagt, eher uninteressant. Wegen mir kann der sich auch nen Pudding ans Bein nageln und so lange dran rumdreh'n, bis WDR2 kommt. Aber ehrlich gesagt oder ich sag mal so: Wichtiger für mich wäre eigentlich Folgendes: Was machen wir bloß, wenn die Zeit reif ist, wenn die Zeit gekommen ist, wenn's also an das sog. Eingemachte gönge, mit all diesen Menschen, die dann immer noch Fragen stellen wie zum Beispiel:
„Hör mal, ja genau, was wird jetzt eigentlich aus Merz?“
17.12.18
Kurz, knapp & hoffnungsheischend:
Die gute Nachricht der Woche
(NEU: Jetzt immer mit wissenschaftlicher Begründung)
Ich bin immer frohgelaunt, wenn's hier auch mal zur Abwechselung was Positives zu vermelden gibt. Dpa vermeldet:
„Spaltung der orthodoxen Kirche
Ukraine gründet eigene Nationalkirche“
Das war (täderätäh)
unsere gute Nachricht ... der Woche!!!
***
Wissenschaftliche Begründung:
Das mit der Nationalkirche is mir piepegal. Wegen meiner können die gründen, was se wollen - die sieg- und segensreiche Prunk- und Protzkirche, Petro Poroschenko- oder Einzig wahre Kapelle. Oder ganz bescheiden: Kirche der bescheidenen Seelen. Aber Spaltung? Spalten ist immer gut. Grade bei solchen Gestalten.
16.12.18
Ein Scherz der etwas anderen Art ist noch nachzutragen
Am Ende der Weltwitzekonferenz in Kattowitz schickte die Theater­dramaturgie gestern noch eine Minderjährige mit volkstümelnden Zöpfen zum kollektiven Missbrauch auf die Bühne, wo die dann brav ein von 'nem missionarischen Kitsch'n'Moralinproduzenten verbroch­enes Bekennerschreiben vortrug. Die gleichgeschaltete Welt­presse gab das entsprechende Echo und po­saunte dazu im Chor, wie zu erwarten war:
„15-jähriges Mädchen ermahnt in einer Rede die Politiker“
bzw.
„15-Jährige liest den Politikern die Leviten“
usw.
Dann aber geschah etwas, was ich vorher im Leben nicht und nie­mals und nie und nimmer geglaubt hätte: Sämtliche Staats- und Regierungschefs, alle Oberhäupter aller Länder dieses Planeten ant­worteten umgehend mit Briefen, E-mails, Trommeln und Telefonaten, dass sie jetzt erst – durch diese aufrüttelnde Brandrede des süßen, kleinen Mädels mit den Zöpfen – die Dringlichkeit des Problems er­kannt hätten und sofort entsprechend handeln wollten. Alle, ja, alle, mit Ausnahme von Nordkorea, dem Phantasia- und dem Lala­land.