Das Tagebuch

22.7.15
Achtung, Wertewandel!
Dpa meldet:
„Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski hat einen neo-konserva­tiven Wertewandel ausgemacht. Für die Deutschen stünden jetzt Ehrlichkeit (73 Prozent), Anstand (66) und Höflichkeit (64) ganz oben.“
Und vorneweg deren sympathische Galionsfigur, der Obersympath Seehofer.
Und zu dem fällt mir, liebe Leser und Leserinnen, immer wieder, sobald ich den Namen auch nur lese, höre, ahne, rieche oder tippe, eine urururururalte Geschichte ein ... Eventuell kommt die Ihnen bekannt vor. Mehr sag ich dazu nicht. Hier die Geschichte:

Kommt 'n armer Cowboy in'n Saloon und setzt sich an den Tresen.
Sagt der Wirt:
„Hey! Wenn de 'nen Schluck aus dem Spucknapf hier nimmst, kriegste 'n Dollar von mir!“
Der arme Cowboy, arm, wie er ist, fackelt nicht lange und schlürft – gluckedigluck – den ganzen Spucknapf leer, bis auf den Grund.
„Hey! Du hätt's doch nur einen Schluck nehmen müssen“, sagt der Wirt da.
„Ja, ja, ich weiß,“ meint der Cowboy. „Aber ... aber das hat alles irgendwie so … zusammengehangen.“
21.7.15
Noch mal kurz zu Griechenland
Worum ging's da eigentlich?
Darum - die Süddeutsche schreibt:
„Er hat eigentlich schon alles. Warren Buffett gehören - über die Holding Berkshire Hathaway Beteiligungen an Versicherungsfirmen, Baustoffherstellern, Sportartikelproduzenten. Der US-Milliardär in­teressiert sich für alles mit Renditeaussichten. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Herr Buffett sich auch eine Insel in Europa leistet. Die sind wegen der Krise gerade günstig. Gemeinsam mit dem italienischen Immobilienunternehmer Allesandro Proto hat er für 15 Millionen Euro die Insel Agios Thomas gekauft. Mit dem Wassertaxi sind es von Agios Thomas aus nur 45 Minuten nach Athen.
Die gut 120 Hektar große Insel gehörte zum Angebot der Website Private Islands Online, sie hat noch etliche andere griechische Inseln auf ihrer Liste - auch zur Miete, falls das Geld gerade für mehr nicht reicht. Aber Warren Buffet ist eher einer vom Typ "Habenwollen". Es dürfte nicht lang dauern, bis andere ihm folgen. Die Washington Post will wissen, dass auch Brad Pitt und Angelina Jolie mit dem Kauf einer griechischen Insel liebäugeln. So eine Großfamilie - Brangelina haben sechs Kinder - braucht Platz. Eine passende Insel haben sie schon ausgemacht, Gaia. "Da könnten die Kinder dann rumlaufen, ohne dass irgendwo Paparazzi lauern", zitiert das Magazin US OK einen Insider.“

Liebe deutsche Süddeutsche!
Das war ja eine schöne Geschichte! Jedoch mich deucht, als hätten wir da was vergessen. Zum Beispiel die Pointe. Bitte schön:
„Wer sich bedanken möchte und grade die Adresse nicht parat hat, ... 'Schäuble' reicht. Kommt immer an. Jedenfalls in Deutschland.“
20.7.15
Wurscht, egal und piepenhagen
(Für's Archiv)
Historischer Tag fürs christliche Abendland: Die Arschlöcher für Deutschland (AfD) haben sich gespalten. Die Pöbelfraktion unter
der neu-germanischen Führung von Hauke-Heil Petry heißt weiter­hin Arschlöcher für Deutschland, die andern Arschlöcher nennen
sich ab sofort „Alfa“, „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“, ein reak­tionärer Haufen mit zwei Lügen schon im Namen der Firma.
Und tschüß!

Nee, nee, nix da tschüß!
Keine paar Stunden isse alt, diese „Alfa“, und schon wieder am Ende mit ihrem Latein: Die italienische Auto-Klitsche Alfa Ro­meo hat per einstweiliger Verfügung untersagt, den Namen Alfa usw. usw.
Ebenso gegen die Existenz von „Alfa“ ist „ALfA“ e.V., die „Aktion Lebensrecht für Alle“, während „Alfa-taxi“, „Aachens freundlicher Taxiruf“ und sämtliche „Alfa-Bierbrauereien“ aus den Niederlanden es sich noch überlegen.
„Wir haben extrem lange nach einem guten Namen gesucht und waren froh gewesen, endlich irgendetwas gefunden zu haben,“ äußerte sich ein enttäuschtes Parteimitglied. „Jetzt geht das alles wieder von vorne los!“
Na denn ma los, oh, ihr Fachmänner für Fortschritt und Aufbruch!
19.7.15
Klartext vom Bundesschleimbeutel Gauck
Normalerweise spricht der liebe J. ja den professionellen, allseits beliebten Schleimbeutel-Jargon. Als er aber vor kurzem auf Malta weilte und just grade gestrandeten Afrikanern und diversen Fern­sehkameras einen Vortrag über deutsche Flüchtlingspolitik und Nächsten­liebe hielt, muss ihn wohl mittendrin urplötzlich das zyni­sche Bedürfnis nach Ehrlich- und Wahrhaftigkeit übermannt haben, und also brach es aus ihm heraus:
„... das stellt uns dann die Frage: Wolln wir die alle zurückschicken? Oder brauchen wir nicht einen Teil dieser, äh, Menschen, die eine ganz große Energie haben? Sonst hätten sie es nicht bis hierher ge­schafft.“
Das Erstaunliche an solchen Typen wie dem lieben J ist ja immer, dass die das nich' mal merken!
Aber wahrscheinlich vertu ich mich da auch. Wahrscheinlich ist es sogar so, dass dieses Pack es nich' mal kapieren würde, wenn man es ihm lang & breit erklären täte.
Oder?
18.7.15
Die Gute Nachricht - Folge 12345
Dpa meldet:
„Kirchen schrumpfen dramatisch“
„Austritte bei den Katholiken auf Höchststand -
Fast 20000 Fälle 2014 im Erzbistum Köln“
Dazu der Chefdenker & Käpt'n Iglu der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx:
„Hinter den Zahlen stehen persönliche Lebensentscheidungen, die wir in jedem einzelnen Fall zutiefst bedauern, aber auch als freie Entscheidung respektieren.“
Oooch, wie gnädig! Was hätten Hochwürden denn ansonsten gerne mit den Abtrünnigen angestellt? Ach nee, komm, lass stecken! Ihr dürft das ja alles sowieso nicht mehr. Aber was mich jetzt wirklich umgehauen hat, is dieses Wort „respektieren“. Sag mal, Reinhard, woher kennst du denn das Wort „respektieren“?
17.7.15
Aus dem Offenen Vollzug
Als Norbert Blüm im letzten Jahrhundert e-n-dlich in Rente ging, klagte er schon, er wüßte nix mit sich anzufangen, außer über­flüssige Bücher zusammenzuschustern („Denn plötzlich führte ich ein Leben am Spielfeldrand!“) Ich hatte ihm seinerzeit geraten: „Geh spazieren!! Geh mit Gott, paar Runden ums Haus oder dahin, wo der Pfeffer wächst! Geh, egal wohin. Nur geh uns nicht weiter auf den Sack!“
Er hat sich nicht dran gehalten. Im Herbst soll es erscheinen, sein nächstes überflüssige Opus. Dafür hat er über 100 alten Kumpeln aus der Politik-, Kultur- und Wirtschaftskumpelei von anno pief hinterhertele­phoniert und sie gefragt, wie's ihnen so geht, was sie so machen und an welchem Daumen se grade drehen - was dann jedes Mal ausartete in das tote „Weißte noch damals?“-Geseier. Der SPIEGEL resümiert: „Eine Zeitreise in die Bundesrepublik der 80er- und 90erjahre.“
Am Ende heißt es dann ein wenig trübsinnig:
„Norbert Blüm war 16 Jahre lang Bundesminister und sagt, dass er sich nicht mehr ganz sicher ist, ob er wirklich wichtig war.“
Du, Nobby, hömma, Nobby! Dein leiser Zweifel in allen Ehren, aber eins ist so sicher wie, na, wie deine Rente: Der Zirkusclown ist immer wichtig! Du, der Zirkusclown ist zumeist sogar noch wichti­ger als der Zirkusdirektor, Nobby. Er darf den Leuten nur nicht - und das ist der Punkt, der springende ... und das ist auch gar nicht so einfach ... das kann eben nicht jeder ... das wird auch oft ein gutes Stück weit unterschätzt - er darf den Leuten nur nicht - wie soll ich sagen? - er darf den Leuten nur nicht: Auf den Sack gehen!
Das ist eigentlich alles.
16.7.15
Heimatkunde -
heute: Bottrop
(Seit Monaten geht das nun schon so: Griechenland, Griechenland, Griechenland! Immer nur Griechenland Griechenland Griechenland! Aber irgendwann haben auch dpa-Journalisten die Nase voll. Und so stand zur Abwechselung heute mal dieses in der Zeitung:)
„Frau in Bottrop von Eichhörnchen verfolgt -
Polizei verhaftet Eichhörnchen“
„Ein Eichhörnchen hat eine junge Frau in Bottrop so hartnäckig verfolgt, dass sie in ihrer Not schließlich die Polizei zu Hilfe rief. Egal, was die Frau machte - das Eichhörnchen blieb ihr auf den Fersen. Die herbeigerufenen Polizisten sahen sich das Schauspiel erst mit großen Augen an, dann griffen sie ein und nahmen das anhäng­liche Tier mit zur Wache. Dort hätten die Kollegen das Eichhörnchen mit Apfelstücken und Honigtee versorgt, bevor es in eine Tier-Auffangstation kam, teilte die Polizei mit.
Dem Eichhörnchen geht es mittlerweile besser, es kann bald aus der Auffangstation entlassen werden.“
15.7.15
Neue Sommerloch-Serie -
Verpasste Chancen der Menschheitsgeschichte, Teil I
...
...
...
Lange Rede, kurzer Sinn:
Es säh heute in der Welt wahrscheinlich wesentlich anders aus, zumindest gönge es für die Mehrheit beträchtlich geruhsamer zu, wenn man vor 70 Jahren halt dem frischen Morgenthau gefolgt wär und aus Deutschland einen Kartoffelacker gemacht hätte.
Und so kriegt man wieder zu hören:
Hätte, hätte, Fahrradkette.
14.7.15
Zum Tod von Philipp Mißfelder
„CDU-Senkrechtstarter, politisches Multitalent, leidenschaftlicher Netzwerker, versierter Strippenzieher, routinierter Geldsammler, Visionär und Machtmensch“, kurz: „Kanzler der Zukunft“, so die begeisterte, parteiüber­greifende Presse über den bis zum Schluss glühenden Helmut-Kohl-­Klon, MdB-Nebenbeigroßabsahner, kakopho­nischen sog. Querdenker mit eigenem Kopf, „Herr Lehrer, ich weiß was“-Typen, Neo-Reaktionär, rasenden Egomanen, Lobbyisten und bekennenden Christen, der seiner­zeit mit dem urchrist­lichen Wort berühmt wurde:
„Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüft­gelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen. Früher
sind die Leute schließlich auch auf Krücken gelaufen.“
Aus gegebenen Anlaß erklärte fassungslos der traurige und be­stürzte Fraktionschef Volker Kauder:
„Wir sind bestürzt, fassungslos und traurig.“
Und Angela Merkel:
„Wir werden ihn sehr vermissen.“
(Ich auch.)