Dass die Welt aus den Fugen geraten ist – so steht’s jedenfalls an jeder Wand,- ist ja – auch wenn’s sich komisch anhört – mittlerweile Allgemeingut. Und die dafür wesentlich Verantwortlichen haben sich wie immer und wie gehabt straflos aus dem Staub gemacht. (Man kennt das aus der Bibel: Staub bist du, und zu Staub wirst du zurückkehren.) Und so wird’s auch bleiben. Die Menschen sind halt so; es gibt keine anderen. Sagen die einen. Die anderen aber auch. Doch was hilft? Was tun?
Nun, Revolutionen gehen erfahrungsgemäß nach hinten los. Den Rezepten von durchlauchten Erlösergestalten und Weltenrettern glaubt man nicht aus gutem Grund, Gebete nützen eher wenig und mit dem Wort Reform verbinden die meisten nur noch ihr Gegenteil.
Was sich allerdings immer breiter macht und einem die Luft zum Atmen nimmt, das sind die Clowns und Komiker an den Schaltstellen der Macht, organisierte Groß- und Kleinkriminelle aller Art und die dazu gehörenden dumpfen Volksmassen, die sich dumpferweise von dem Rummel auch noch was versprechen. Der Rest geht leer aus oder brav nach Haus oder baden oder kommt sonst wie unter die Räder. Jedenfalls nicht an die berühmten Fleischtöpfe. Was bleibt – und jetzt darf gelacht werden -, ist nur noch die Aufklärung. Ja, die Aufklärung. Billiger wird's nicht mehr.
Und damit, sehr verehrte Damen und Herren, wären wir auch schon fast am Ende unserer kurzen Geschichte der Menschheit. Fast. Denn es gibt sie noch, hier und da, halb und halb, homogenisiert und mit Zusatzstoffen konserviert, geschnitten und am Stück und mit dem Nippel durch die Lasche gezogen:
Die Demokratie!
(Nur, allein bei der Übersetzung ins Deutsche - "Volksherrschaft" - geht’s schon wieder los … Egal. Dazu bei Zeiten mehr.)
Und zur Demokratie gehört unverhandelbar eine freie Presse. Auf die man sich selbstverständlich auch verlassen können muss.
Und damit wären wir beim ‚Kölner Stadtanzeiger‘.
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Der ‚Stadtanzeiger‘ ist jetzt nicht gerade berühmt für sinnlose Übertreibungen, reißerische Propaganda und Falschmeldungen, für Fake-news, alternative Fakten und politischen Klamauk. Wenn schon, dann steht das kölsche Traditionsblatt eher für die Erfindung angeblich ganz besonderer Toleranz, für das bedingungslose Weglutschen auch der letzten Karnevalskamelle, für eklig-klebrige, verdruckst-verlogene Heimat- und Kölschduselei und für seine gut gemeinte, aber völlig überflüssige, katholische Kirchenkritik. Die generelle, fast mutwillige Verharmlosung sog. besorgter Montagsmaler oder auch ‚Protestwähler‘ und die typisch deutsche Sicht auf den Rest der Welt teilt der Stadtanzeiger mit allen andern hiesigen Stadtanzeigern und überregionalen Nationalblättern.
Dazu und zum Schluss nur ein banales Beispiel, der Aufmacher von der ersten Seite der heutigen Ausgabe. Überschrift:
„Merz drängt Iran zu Verhandlungen“
Was soll das? Glaubt tatsächlich irgendjemand, ein Hampelmann wie Merz könne irgendeinen Ajahtollah auch nur mit irgendwas beeindrucken? Vorausgesetzt, dass man sich hier einig ist, dass im Iran der Teufel und seine himmlischen Heerscharen regieren. Heißt das jetzt, dass Merz ein solch doller Hecht sein soll, dass er fähig wäre, mit dem Beelzebub irgendwas von Belang zu bereden?
Das würde selbst der arme Sauerländer nicht von sich behaupten. Und wenn nicht er, dann doch Deutschland dazu in der Lage wäre? Oder auch nur gewillt wäre? Eher nicht. Eher erscheint mir hier aus der wohl locker, bewusstlos hin getippten Überschrift der therapieresistente, ewige deutsche Größenwahn, den sich allerdings auch Merz neuerdings nicht verkneifen kann.
Na, wie dem auch sei – War ja auch nur ein Beispiel.