‚Bild‘ berichtet wie immer und sprach als erster mit den Leichen:
„Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50) warnt in der ARD-Talkshow ‚Maischberger‘ eindringlich vor einer sich zuspitzenden Wirtschafts- und Energiekrise. Deutschland steckt mittendrin im ‚Tal des Todes’.“
Nun gut. Ich hab mal ein wenig gegenrecherchiert:
Das ‚Tal des Todes‘, auch ‚Death Valley‘ genannt, gehört zu den heißesten und unwirtlichsten Orten der Erde. Da hat’s auch einen Nationalpark. Der Death-Valley-Nationalpark liegt in der Mojave-Wüste und ist der trockenste Nationalpark in den USA. Er liegt südöstlich der Sierra Nevada, zum größten Teil auf dem Gebiet Kaliforniens."
Da gibt’s nur verschieden große Kakteen und so vertrocknete Grasbüschel, die der Wüstenwind manchmal durch die menschenleere Gegend bläst....
Man kann getrost davon ausgehen, dass unser sächsischer Sportsfreund noch nie auch nur eine Sekunde lang im Tal des Todes zugebracht hat. Genauso wie Karl May. Aber der wusste wenigstens, wovon er fabulierte. *)
(Okay, gut, ich habe auch schon mal Sachsen als Tal des Todes bezeichnet. Hat sich bestimmt der eine oder andere Sachse drüber aufgeregt. Insofern hat sich's ja gelohnt. Egal.)
Was ich eigentlich sagen wollte, war:
Bei dem Kretschmer muss man immer höllisch genau hinhören und - Nicht vergessen! - Bei Kretschmer immer faktengegenchecken.
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*)
Übrigens - und das wollt' ich hier immer schon mal los werden:
„Karl May alias Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi war ein deutscher Schriftsteller und einer der produktivsten Autoren von Abenteuerromanen. Er ist einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland.“ (aus Wikipedia)
Über Karl Mays "Reiseerzählungen" ist in erster Linie bekannt, dass er sich „das alles nur ausgedacht“ hat. Der ist sein Lebtag auch quasi nie aus Sachsen raus gekommen, ähnlich dem Königsberger Klopps Immanuel Kant. Was, wie man sehen wird, auch nicht immer unbedingt von Nachteil sein muss.
Des Weiteren ist bekannt, dass er bis zum glorreichen Abgang in die Ewigen Jagd- und Anschleichgründe, bis zum letzten Atemzug seinem unüberschaubaren Fanpublikum weiß machen wollte, alle seine, auch die extrem hanebüchenen Geschichten, genauso wie beschrieben selbst erlebt zu haben.
Dass Karl May aber trotz seines felsenfesten Christentums ein lebenslanger, gnadenloser Antirassist war und keine noch so brachiale Auseinandersetzung trotz Morddrohungen durch die Inquisition mit seinen christlichen Brüdern gescheut hat, dass er als militanter Humanist und unkorrumpierbarer Menschenfreund, als Leuchtturm der Aufklärung und Verteidiger drangsalierter Minderheiten auf seinem schwarzen, edlen Rappen Hatatitla quer durch den Wilden Westen und den Nahen Osten ritt, um der Menschheit die "Wahrheit" und sein allerneuestes Testament zu bringen, ist wohl bei seinen Lesern irgendwie verschütt gegangen. Oder waren bei denen traditionell von absolut geringem Interesse. Oder sie hatten die entsprechenden Stellen routiniert überschlagen wie die ellenlangen, nervtötenden Landschaftsbeschreibungen. Von den mit purem Kitsch vollgestopften Kapiteln mal ganz abgesehen. Dass in Sachsen – und nicht nur da - in der Tat die seitenlangen Predigten und, alle Achtung! hochmodernen (!) Dialoge zum Thema Rassismus, Migration und Menschenverachtung null fruchtbaren Boden fanden, lässt einen nur noch ...
frösteln und erschauern.
(Entschuldigen Sie bitte, an dieser Stelle meinen Ausbruch an dickem, übertriebenen Pathos.)
Mehr lässt sich dazu nicht mehr sagen.
Howgh, ich habe gesprochen.
mit unfreundlichen Grüßen
ein Kölner Mescalero