Das Tagebuch

3.3.26
Noch ’n Buchtipp…
„Wie konnte das geschehen – Deutschland zwischen 1933 und 1945“
von Götz Aly
Suhrkamp 2024
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Wem jedoch das gute Büchlein mit seinen 766 Seiten (und keine Seite ist zu viel!) ’ne Nummer zu dick vorkommt, kann ja die Straßen­seite wechseln, auf ‚you-tube‘ umschalten und dort aus der Interview-Reihe „jung&naiv“ sich die Gespräche raus suchen, die der Journalist Tilo Jung (u.a.) mit dem Historiker Götz Aly geführt hat.
Diese wohltuend unaufgeregten Gespräche erscheinen einem wie Gespräche aus längst vergangener Zeit, wo man vor lauter Respekt vorm Andern die eigenen Gegenargumente vergaß, es waren Ge­spräche und keine Wettrennen in Sachen ‚Erst mal alle Anderen totlabern‘, keine ‚Pointenschinderei‘ oder ‚Propaganda‘ durch die Hintertür. Hier schreit niemand nur aus Effekthascherei die Gäste voll, bis der Hals-, Nasen-und Ohrenarzt kommt. Hier gibt’s keine billigen Provokationen und keine Werbeschlachten von und für Politiker, die man ohnehin sowieso schon abgeschrieben hatte. Hier gibt’s auch keine guten Ratschläge, kein Kitschimea, kein „Wie-geil-ist-das-denn?“-Bauhaus und kein ‚Aldi‘, kein ‚Ikea‘, ‚Lidl‘,,Kik’ und ‚Netto‘ und weit und breit keinen Arzt, keine Ärztin und keine Apo­theke, in der man fragen kann. Werden hier echt nur Leute interviewt, die zum Thema was zu sagen haben? Ja, selbstverständlich, und du wirst lachen: Bei uns gibt’s nur eine Vorgabe: „Du kannst hier sagen, was du willst, du darfst nur nicht langweilen!“
Und man kann getrost davon ausgehen, gesetzt den Fall, Götz Aly wäre zum ersten Mal Gast bei Maischberger oder Miosga gewesen, das wär dann auch das letzte Mal gewesen.
That’s noch einigermaßen reality.
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