Das Tagebuch

2.3.26
„Sie war sechzehn ...“
... und er 29, als er vor 8 Jahren als gutgläubiger CDU-Nachwuchs-Straßenfeger und voll des ganz normalen Testestestestesost­eron­überschuss eine Realschulklasse besuchte („80 Prozent Mädchen, im Schnitt 16 Jahre alt“) und in seinem Notizbuch ein Mädel beson­ders benotete:
„Sie hieß Eva, hatte braune Haare und rehbraune Augen“, und dass es „für einen jungen Politiker schlimmere Termine gäbe“ (als solche praxisnahen Schulbesuche.)
Für eine grüne Berliner Abgeordnete war damit aber die rote Linie zum Reich des Sex-Gangsters Epstein schon überschritten und postete die feine Geschichte hinaus in die weite, für so was immer dankbare Welt – aus Fürsorge und Sorge um die allgemeine Moral der Baden-Württemberger und ganz nebenbei, um der CDU auf den letzten Metern, 8 Tage vor der entscheidenden Landtagswahl 'nen ordentlichen Denkzettel zu verpassen. Denn der junge aufgeweckte CDU-Bürger von damals hörte auf den Namen Manuel Hagel und will in einer Woche den Superpopulisten Cem Özdemir überflügeln und Ministerpräsident werden.
Ob aus solch kleinkariertem Pippifax ein bundesweiter Shitstorm erwächst, lässt sich heutzutage an 2 Fingern hochrechnen und ist in jedem Fall beabsich­tigt einschließlich der nachgereichten Entschuldi­gungen, Erklärungen, Richtigstellungen und Beschwichtigungen, Be­schönigungen, Beteu­erungen, Beschwö­rungen u. derglei­chen mehr. Hauptsache, man ist mit seiner Fresse wieder in der Presse.
Und auch unser Manuel Hagel wollte bei dieser Exculpierungs­orgie nicht hinten anstehen und warf sich mönchsmä­ßig schuld­bewusst auf die Knie und pardonierte sich mit „mea culpa, mea maxima culpa“ für seine damaligen verliebten Zeilen und be­zeichnete sie kurzer­hand als „Mist“. Und fügte noch hinzu:
„Ich bereue das von ganzem Herzen.“
Sehense, und so haben die Bürger von Baden-Württemberg in acht Tagen endlich einen wirklich triftigen Grund, diesen Manuel Hagel nicht zu wählen. Denn wer sich als heute 38-jähriger erwachsener Mann unaufgefordert auf den Marktplatz stellt und öffentlich selbst be­schuldigt, stinknormale, jugendliche Liebeslyrik verbrochen zu haben,
so einer sollte ja wohl nicht auch noch Ministerpräsident werden.
(So weit zu den Problemen von Baden-Württemberg.)
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